Gerhard Schrick

Geschichten - Gedichte - Malerei

Gedichte 2014

Fünf Zeilen

Heut hab ich nur fünf Zeilen. Da muss ich mich beeilen.
Den Sinn recht hinzubiegen, dass die Gedanken fliegen.
Drum schreib ich lieber lange. Dann ist mir nicht mehr bange.
Doch plötzlich wird mir schrecklich klar, dass dies hier schon die vierte war.
Ich leg mich wieder hin. So macht das Dichten keinen Sinn!

Klartischbasta!

Der russische Zar hatte die Welt zu Gast.
Ein olympischer Papst fiel in den Bach.
GULAG frisch aufgemischt. Klartischbasta!
Gerhard bleibt Freund. Armee Oligarchen zahlen.
Ukraine frisst Syrien. Gold! Frau Ashton kümmert.

Sonettes Polen

Teresa reinigt die Wohnung und Piotr
die alte Mutter von Herbert. Der kann es
sich leisten und redet, es sei zeitgemäß.
Die Vermittlung läuft über den Kegelclub.
Oder-Neiße-Linie nicht anerkannt.
Weißt du noch, die kalten Zeiten? Lange her.
Die Freundschaftsgrenze schossen sie menschenleer.
In Warschau vorm Mahnmal der Kniefall von Brandt.
Blätter druckten Farbe in leere Räume.
In alte Köpfe strömte frisches Blut
und fremde Menschen fassten wieder Mut.
Erfüllt wird mancher Wunsch und unsrer Träume.
Ein Kegelclub als Gast wird Warschau buchen
und Menschen, Freunde werden sich besuchen…

Mein Schwein pfeift

58 Millionen Schweine starben im letzten
Jahr. Minus eins. Meins heißt Heinz und lebt
In meinem Herzen. Unsterblich. Mir ist
Nicht zum Scherzen. 58 Millionen. Muslime
Und Juden essen nicht mit. Meine Tochter
Isst vegetarisch. Damals im Nachkrieg hab
Ich Heinz aufgezogen. Der Metzger ging
In den Keller. Dahin geht er noch heute.
Mutter und ich bleiben oben. Heinz quiekt.
Und pfeift nach mir. Meine Träume. Ich
Rühre sein Blut. Die Wurst isst zum Kotzen.  
Hunger. Gerd! Iss! Heinz bleibt immer im
Plus. Ich esse lieber Lamm. Gem. Gehacktes.
Spaghetti Bolognese. Sonderangebot bei Aldi.
Leberwurst vom Schlachter Rossmann Öko
Aus der Dose 70% Schweinefleisch, 20%
Schweineleber. Immerhin: 10 Prozent Rest.
Wir sind alle keine Sünderlein. Ich bin auf
dem Weg zum Veganer. Prost und  (pfeifen!)
drei Raketen auf Heinz. Es war mein Vater.

sinn

möglich ja denkbar wo spohrstrasse 46 aahh nordend gangbar denk ich äußerst richtig wahrscheinlich bitter slow! mach schon mit essen
gut nicht ausgeschlossen standbar optimal zeit ist geld recht so
lass mich mal dem vernehmen und allem anschein nach
 hause gehen wir langsam wie behauptet und ideal
man hört wie es scheint vorstellbar möglich
bar stimmt so visa nachbar dankbar dem
sinn ergeben goldrichtig denkba
 prost demkbar enkbar alles
klar deenkbaaar
denkbar
denk
bar
a
bar
denk
denkbar
deenkbaaar klar
alles enkbar demkbar prost
denkba goldrichtig ergeben sinn
dem dankbar nachbar visa so stimmt bar
möglich vorstellbar scheint es wie hört man
ideal und behauptet wie langsam wir gehen hause
nach anschein allem und vernehmen dem mal mich lass
so recht geld ist zeit optimal standbar ausgeschlossen nicht gut
essen mit schon mach slow! bitter wahrscheinlich richtig äußerst ich
also ich denk gangbar nordend aahh 46 spohrstrasse wo denkbar ja
fragen

Dialektik des Turms

Der weiche Stein traf meine Stirn
in ihrer Mitte. Das dritte Auge
öffnete sich und sah
den Turm zusammen fallen.
Die Wolke des elften September
umhüllte ihn und nahm
ihn lautlos mit sich fort.
In den Augen des alten Publikums
spannt sich der Beton von 1972 bis
heute, festgefahren in den Fahr-
stühlen moderner Technik. Ewige
Hausbesetzung in der Gartenlaube
alter Meister. Frische Luft im Foyer.
Ich will hier raus! Endlich Soziologe.
Die Universität der dritten Lebens-
Alters als bürgerliche Nachhut im
steinernen Elfenbein. Geschichten
von damals und Bibliographien in
Wort und Bild. Kreatives Schreiben.
Zu spät. Es regiert das House of(f)
Finance. Das Hotel liegt vor mir.
Blick frei!
*Titel nach einer Überschrift in der TAZ vom 1./2. 2. 2014

Bildgedicht

Der Schäfer wartet am trockenen
Fluss auf seine Lachse. Hörst du
den Kranich? Sie fliegen zurück.
Zu den blauen Bergen in der
Geheimsprache der Brücke ohne
Anschluss. Vorsicht! Die Zugvögel
sind gemalt, die Lämmer gleich nach
dem Tief gefroren. Aus Neuseeland
im Original. Vorbei und gut so. Gut!
Ich kann nichts erkennen.

Ein Maulwurf

Ein Maulwurf saß in einer Ecke
Links oben still in einer Hecke.
Wie kam er, fragt er sich, hierher?
Er sagte sich, welch ein Malheur.
Sein Reich war doch der kühle Boden.
Da konnte er sein Gärtlein roden,
Die Engerlinge, Wurzeln sichten
Und manchen Rasen hübsch vernichten.
War es der Alte, den er kannte,
Der ihm die Löcher stets verbrannte?
Hat der ihn an dem Schwanz gepackt
und in den Dornen dann verpackt?
Da, endlich, war er aufgewacht.
Oh Alp, es war wohl nur ein Traum.
Sein Mäulchen hat ihn ausgelacht
Und manchen Scherz sich ausgedacht.
Sein böser Traum. Ein Zwischenraum
In einem sonst so ruhigen Leben.
So ist das Leben. Zugegeben.
Dann schlägt es eben Purzelbaum.

Der Swimmingpool

Ein Swimmingpool voll Chlor und Schweiß
Im Sommer war es auch recht heiß
und er gerann zur Ekelsuppe.
Dem Chef war dieses leider Schnuppe.
Wenn man darin nicht schwimmen wolle
Dann hole er die Staatskontrolle.
Mit der würd er sich sehr schnell einigen.
Sie werde Qualität bescheinigen.
Jetzt ist der Pool ein Schönheitsmoor.
Die Presse stellt die Neuheit vor.
Der Pool ist immer voll mit Leuten,
die sich in ihm gemeinsam häuten.

Duisburg-Syndrom

Wenne aus Duisburg  komms, bisse Bergmann oder Fußball. Nicht richtich,
Aber von Haus aus. Momentan Hartz IV mit fünf Kinder. RTL 2 hat gut gezahlt. Unser Omma sagt, Herbert komm wir fahren zu Florenz. Zu die kulturellen Stätten von dem Cäsar Julius. Musse gesehn ham. Frau und Kinder bleiben hier. Ich will meine Ruhe und du hast Zeit. Nach fünf Bier hab ich gesacht: „Ja!“
Danach wurde ich Chofför von dem Wrack – einem ihrem alten VW Passat. Der Wind hat uns geweht. Über die Alpen und So.

4 Sterne haben gefunkelt. Die haben deutsches Fernsehn. Jau!  Omma wollte zu Die Statuetten. Richtig ausgeflippt isse, die alte Spinne. So viele Häuser, wo Niemand drin wohnt. Und die nackten Knaben mit ihren Minnis. Inner Italoklinik Isse wieder aufgewacht. Stendhal- Syndrom. Hab ich abgeschrieben. Wat iss dat denn? Inner Klappse haddet von denen gewimmelt. Die Kunstschätze hätten sie angewimmert, haben sie gesgt.  Omma Diazepam (hab ich mir notiert, für alle Fälle)eingetrichtert. Sie hatt et geschluckt.
Und dann ab in den Passat. So schnell der Wind uns weht. Zurück nach Duisburg. Omma abgesetzt und dann inne Kneipe. Zehn Bier (Minimum, Nachholbedarf, Rotwein is out) und die Kumpels. Fußball - Weltmeisterschaft. Ich flipp gleich aus. Duisburg- Syndrom. Toooor !!!! Für Deutschland! Oder nich? Scheiße, wieder die Italiener. Prost Francesco. Altes Haus. Zuhause isset doch immer noch immer am Schönsten.
Meinze nich auch? Wat die sich in Florenz einbilden. Haben sonst nix zu tun.

Der Alte vom Berg

Die frühen Bilder waren längst verblichen,
die Jugend in verschnürten Alben eingestaubt.
Der Alte neigte traurig sein ergrautes Haupt.
Sein Blut war ihm aus dem Gesicht gewichen.
Wie doch die Kinder sich in ihrem Streite glichen,
stets  hatte er an ihre Liebe blind geglaubt.
Vor Jahren hatten sie sein Haus geraubt,
jetzt war die Zeit der Ruhe endgültig verstrichen.
Erwartet würde er in einem Heim im Tal.
Das Blut kocht ihm vor Wut in seinem Leib
und junge Kraft treibt ihn zu seinem Ritual.
Sie starben so wie einst sein Weib. „Ich bleib
auf meinem Berg und will kein Abendmahl.“
Dem Alten wird ein böser Traum zum Zeitvertreib.

Cane Corso

Ich bin ein Hund, der Ball ist rund. Da ist ein Mann.
Wann schießt er dann? Er glotzt mich an. Ich kann’s
nicht fassen. Auf was hab ich mich eingelassen?
Das kann doch nicht so schwer sein. Ein Fuß, ein
Bein und dann hinein. Ich sollte einmal bellen. Ihm
sein Gehirn erhellen. Wenn ich schon mal mit
Menschen spiele, ist Ruhe vor dem Kampanile.
So läutet schon, ihr Glocken. Soll ich hier ewig hocken?
Wie hatte er sich vorgestellt? Andrea Pirlo heißt der Held?!
So schöne Flanken konnt‘ er schießen. Das war doch immer
zum genießen. Und jetzt geht überhaupt nichts mehr?
Auch mit nem Hund ist es zu schwer? Na Alter, dann geh,
trott nach Haus. Ein letztes Mal spend ich Applaus.

Ich kauf mir einen Köter. So einen echten Schwerenöter.
Den baller ich dann platt. Mir reicht auch ein Prälat.

WM 2014

Spielt euer Spiel.
Geht hart zu Werke. The game must roll on.
Niemand wird euch stören. Gladiatoren kämpfen
einsam bis zum Schluss. Unsere Schiedsrichter
laufen mit. Sie tun nichts. Der Stärkere gewinnt.
In Katar wird die Technik richten. Millionen
für uns. Lasst Neymar heulen. Er fährt im Stuhl.
Es ist das Gesicht von David Luiz. Er braucht
keine Freude. Doch Angst, Schmerz und harte
Entschlossenheit. Als sei der Teufel hinter ihm
her. Und der Kerl stellt sich ihm. Schluss mit dem
schönen Spiel. Wir brauchen eure Körper und Seelen.
Wir haben die Macht und euer Geld. An unseren
Blattern werdet ihr sterben. Eure Vergänglichkeit. Es
ist Krieg. Wir sind immer dabei. Lasst uns ungestört.
Ende des Spiels.
Angeregt durch Peter Handkes: Über die Dörfer

was macht die schere?
Schnellschnitt

nicht zu teilen: angst
wucherndem einhalt bieten
ein bein über das andere: schlagen
metall ohne knirschen ausschließen?

durchsteck Mutter greift wenig
gewindekurven treiben ahnung
alles dreht sich seufzend leer
verschweißte fingerösen mechanik

im verwirrten pressen bestands
annäherung ohne objektschutz
schaf otter zweifelhafter /  beinbruch
 /schnitt /  teilt es hälf  tig !

oh  sch er e n schnitt ex po e sie  w i e?
fließen schartig  r e  i  m  e
sinn schert  v e r / n u n f t
spielend schärfend h eitern

Gedichte 2015

Verlorene Heimat

Am Rande reckt sich die alte Tanne  zum
Matten Licht. Von der Wucht des satten
Grüns über benachbarten Gruften bedeckt,
Verlor sie das Strahlen der Sonne.
Kein Weg führt zu ihm, den ich kannte.
Betreten verboten markiert die stummen Reihen.
Dort eine wächserne Rose mit drahtigem Stiel,
Von den Wächtern des Todes übersehen.
Jemand zeigt mir den Ort. Da sollte er liegen.
Nach Vorschrift in seinem kalten Gefäß. Der
Künstler eines prallen Lebens. Vergangen.
Ich kann ihn nicht mehr erreichen. „Cafeteria
Am Friedhof“. Einkehr mit hängenden Schultern.
Ein Milchkaffee. Er hätte Bier getrunken.
Nachmittags. Kuchen? Die schwarze Lady
Gähnt. Nichts Süßes. Und schleicht davon. .
Die Zeit steht still. Verlorene Heimat.

Angeregt durch: Werner Heldt Waldkonditorei

Wohin?

Verlassen das Land
verkauft und betrogen
kämpfen durch Wüsten
vergessene Routen
lebend gestorben
dahin / zurück
Über das Meer
in wogenden Wellen
vergessen gepresst
Entsetzen der Qualen
in Fäulnis entdeckt
dahin / zurück
Am Ende des Weges
die Wogen geteilt das
gelobte Land in der
schwarzen Nacht
ohne Hoffnung
dahin zurück

Schwarze Heimat

Auf den Bock in kühler Nacht. Die Schlacht
mit dem wilden Mann. Anschläger, alter Kumpel.
Pass auf. Nase zu und durch. Knackt und zischt.
Grell, dunkel, grell, dunkel bis zur letzten Sohle. Deine
Marke kommt später zurück. Sicher. Lass Barbara
machen. Per Bahn gequetscht. Dazwischen
Schnarchen und Schmatzen. Ist zum Schießen,
der Nachbar still. Es stinkt. Blindschacht. Raus
durch den Matsch. Stempelausbau mit Hobel.
Frische Wetter vor Ort. Der Berggeist ruft. Mäuse
fressen unser Brot. Bei achtzig Zentimeter. Flöz
Ernestine? Kann mich nicht erinnern. Da waren
einige  unter dem Sargdeckel. Farblos abkehren.
Sauber aufgewacht. Eine Marke hab ich noch.
Glückauf!

Schwarzweiße Assoziation

Kaue  über dem Schachtmund. Schutz vor Unwettern.
Macht dich nicht nass. Die Waschkaue vor einem Jahr.
Sauber rein, sauber raus. Zur Schicht und stempeln.
Schwarz und Weiß wie gemalt. Klamotten in den Korb.
Nackt in das Schwarze. Nach acht Stunden Kohle  unter
die Dusche. Allemann und die Türken. Du Buckeln? Elf
in der Reihe. Letzter sucht den Ersten. Das rauschende  
Dampfen im musealen Traum. Unten treten, oben buckeln?
Alle Wetter! Mich trifft der Schlag auf grünem Buckel und
steilem Grat. Meine Berge unter den müden Wanderfüßen.
Schwarzweiß im Prinzip. Reinräumen Tag und Nacht ultraclean.
Suche Kofigurator für ISO Klasse 14644.d. Deutsche Sauber-
keit und mehr Wert. Arbeit in ihren weißen Hauben. Schwarz
bleibt draußen. Privat. Wir respektieren das. Ja, doch Leben in
Weiß ist die Unschuld. Land in Sicht. Unter dem Sicherheitsglas.
Wir sind geschützt. Vor uns und denen vom schwarzen Kontinent.
Endlich getrennt. Lasst Lampedusa  leuchten in der schwarzen
Nacht. Man sieht sie nicht im weißen Licht. Wir tun nur so.
Das blaue Mittelmeer. Wir baden in sauberem Wasser .Schwarz-
weiße Trennung. Zurück zu den  Ebolahöhlen vor Ort. Glückauf

Geh zum Henker,

Falscher Lenker. Mach dich fort.
Lenke einen andren Ort.
Deine Künste, nichts als Lügen.
Lassen uns nicht mehr betrügen.
Lass die Flause, du Banause,
Den Menschen hier geht es nicht gut
Mach mal Pause, geh nach Hause.
Fast allen Bürgern ist die Wut.
Bis über ihren Kopf gestiegen.
Sie haben echt die Schnauze voll.
Echt toll hast du dein Haus gebaut,
Dass wirklich Jedem davor graut.
Es saugt die Menschen heimlich auf,
Verändert ihren Lebenslauf.
Entlassen werden sie als Diener.
Korrupte, kalte Großverdiener.
Damit machen wir jetzt Schluss.
Ganz friedlich, ohne einen Schuss.
So kannst du ruhig nach Hause gehn.
Wir wollen dich nicht wiedersehn.
Das kannst du alles jetzt vergessen.
Und solltest du es doch versuchen
Die Herrschaft wieder zu erlangen:
Dein Kopf ist voll von Spinnabzessen.
Zur Sicherheit die Rückfahrt buchen!
Vergeblich wär dein Unterfangen.
Vom Ausland droht nun der Despot
Spricht von Verrat und Krieg und Not
„Der Friedhof lebt!“ So schallt sein Ruf,
den er für den Nachlass schuf.
Was willste denn nun damit machen?
Sollste weinen? Besser: lachen!

Verbotene Liebe

Du erinnerst dich an ihn
wie er dich auf dem Foto
drückte dass es ihm eine
Lust war und dich fast erstickte
Du erinnerst dich an ihn
wie er dich am Stock erzog
bis deine Haut wie Kruppstahl
schien, im Wasser gehärtet
Du erinnerst dich an ihn
wie er dir zusah und sagte
kommst du endlich und
die Freunde sahen dir nach
Du erinnerst dich an ihn
wie er dasaß auf dem Stuhl
und dass es jetzt genug sei
mit seinem Geld und dem Paket
Du erinnerst dich an ihn
wie er das Glas in der Hand hielt
die zitterte und wies dich hinaus
zu den Söhnen die dort warteten.
Du erinnerst dich an ihn.
Wie er dein Vater war  und
die Liebe verboten, die du
nicht vergessen kannst.

Rap los!

Man sollte einmal rappen
das hatte ich  beschlossen
auf dass die Verse flossen.
Ich glaube fast, es wird zu schnell.
Denn: welche Worte sind speziell?
Wenn ich so wie mein Hund jetzt bell?
Man könnte es versuchen
Ich freu mich auf den Hundekuchen.
Und schon erklingt das Bellen
mir aus dem Maul heraus, der Daus.
Die  Schreie werden gellen.
Von da an schreit es laut, oh Graus.
Wuff, wuff, miau aus mir heraus.
Und schließlich bin ich süchtig dann
Es  fängt von vorne wieder an.
Da endlich kommt der Weihnachtsmann.
Der sagt: ihr lieben Kinder
schreit ihr schon wieder rum
vor eurem tollen Publikum?
Mein Chef, der schreit nicht minder:
Herr Gott, der alte Schinder.
Ich schick ihm immer meinen Knecht
der rückt die Sache dann zurecht.
Er nimmt sich streng den Alten vor
und flüstert ihm ins taube Ohr
dass er jetzt Ruhe geben soll
verbietet ihm den Alkohol.
Der liebe Gott ist still  und weint
Was tut der Knecht bei vollem Saal?
Die Rapper werden angeleint.
Es ist für alle eine Qual.
Ich freu mich schon auf nächstes Mal.
Von da an schreit es laut, oh Graus.
Wuff, wuff, miau aus mir heraus.
Und schließlich bin ich süchtig dann
Es  fängt von vorne wieder an.

Stille Heimkehr

Hungernde Zellen jungen Blutes
durchdringen süchtig die verkalkten
kalten Wände.
Verlassen die Heimat ihrer verlorenen
Kindheit. Fortgehen für immer. Verschlossen
der Rückkehr.
Die Schlüssel der toten Väter verloren. Das
Sehnen nach dem Früher in uns, die wir in die
Ferne schweiften.

Einsamer nie. Heimkehr im Inneren des
lyrischen Ichs. Beredtes Schweigen. Die Zellen
sind tot.

Käp’ten Dick

Ich tanze den RAP. Ich bin doch kein Depp.
Und dreh mit dem Ring. Ich werde ein King.
Im großen Geschäft wird Segel gerefft.

Mein Boot gleitet heimlich auf felsiges Land.
Auf tödlicher Reede liegt es dann brav.
So geben sie artig das Ihre im Schlaf.
Viertausend Rentner können nicht irren.
Sie geben mir gerne, dem Herrscher der Meere.
Danach werd ich Bullen und Rettung verwirren.

Was schert mich der Quatsch von Gesetzen und Ehre.
Ich werd die Geschäfte des Ringes besorgen.
Sie werden mir dafür mein Spielgeld gern borgen.
Die edlen Paten sind nette Leute.
Ich mach im Casino fette Beute.

Dann tanze ich RAP. Ich bin doch kein Depp.
Ich schnapp mir ne Braut. Entfliehe dem Nepp.

Hongkong

Eine andere Welt in zwölf Stunden.
Sie essen mit Stäbchen und spucken
auf den Boden. Die Alten wedeln mit
Armen und Beinen. Die Eine vollendet
Tai Chi auf Weltniveau im tosenden
Verkehr. Auf kleinem Platz staunt der
Reisende und schlürft seine Suppe zum
Frühstück. Der große Buddha auf dem Berg.
Ergebene Umkreisung und Anbetung.
Ente muss sein! Kross. Es kommt anders.
Geschäftige Menschen auf ihrem Fleckchen
Erde werden von China erwartet. Der lange
Atem. Sie wohnen oben in ihren Silos und
leben ihre junge Altstadt im Erdgeschoss.
Air China fliegt weiter. Die Erde ist unsere
Heimat.

Vietnam

Im Kopf der Krieg und meine Schlachtrufe
unter den Brücken Berlins. Verklungen.
Germany wo? Auf dem Atlas. Wo? Sie sind
auf der Straße und fahren Motorrad. Mit Sack
und Pack um die Wette. Für mich eine Mauer.
Augen zu und durch. Harry Potter in Vietnam.
Der fünfte Kräuterschnaps des alten Reisbauern
auf mein Wohl (Hexenschuss) erzählt seine
Vergangenheit in der US-Army. Fünf Jahre in
Prison. Manche leben nicht mehr. Lange vorbei.
Seine Frau baut auf. Er züchtet seine Blumen,
die Fische und manchmal auch Fremde. Eine
Radtour auf rutschigem Damm in der Nacht. Die
Tiere in den überschwemmten Feldern. Frösche,
Schlangen Vorsicht! Der Schlaf unterm Moskitonetz
im  Familienbett. Embedded Vietnam. Ein Freund
für zwei Tage. Ho Chi Minh wacht nicht mehr auf.
Die Stadt heißt Saigon: Die Jugend hat
ihre eigene Sprache. Es wächst zusammen, was
zusammen gehört? Nord und Süd. In Rätseln
Einige sprechen Englisch. Die Halong-Bucht, Hue,
das Mekong-Delta, schwimmende Märkte. Handel
und Wandel. Freundliche Gesichter. Beim Verkehr
hört der Spaß auf. Krieg ohne Unfall. Ich flüchte
erschöpft ins Hotel. Gut geträumt? Morgen fliegen
wir zurück. Zur Ruhe in der Heimat. Zigaretten?
Ganz billig. Ihr Motorrad steht um die Ecke.

Schwarzweiße Assoziation

Kaue  über dem Schachtmund. Schutz vor Unwettern.
Macht dich nicht nass. Die Waschkaue vor einem Jahr.
Sauber rein, sauber raus. Zur Schicht und stempeln.
Schwarz und Weiß wie gemalt. Klamotten in den Korb.
Nackt in das Schwarze. Nach acht Stunden Kohle  unter
die Dusche. Allemann und die Türken. Du Buckeln? Elf
in der Reihe. Letzter sucht den Ersten. Das rauschende  
Dampfen im musealen Traum. Unten treten, oben buckeln?
Alle Wetter! Mich trifft der Schlag auf grünem Buckel und
steilem Grat. Meine Berge unter den müden Wanderfüßen.
Schwarzweiß im Prinzip. Reinräumen Tag und Nacht ultraclean.
Suche Kofigurator für ISO Klasse 14644.d. Deutsche Sauber-
keit und mehr Wert. Arbeit in ihren weißen Hauben. Schwarz
bleibt draußen. Privat. Wir respektieren das. Ja, doch Leben in
Weiß ist die Unschuld. Land in Sicht. Unter dem Sicherheitsglas.
Wir sind geschützt. Vor uns und denen vom schwarzen Kontinent.
Endlich getrennt. Lasst Lampedusa  leuchten in der schwarzen
Nacht. Man sieht sie nicht im weißen Licht. Wir tun nur so.
Das blaue Mittelmeer. Wir baden in sauberem Wasser .Schwarz-
weiße Trennung. Zurück zu den  Ebolahöhlen vor Ort. Glückauf!

Tiramisu 1

ein rest des köstlichen
tiramisu auf deinem teller
meiner ist saubergeleckt
hinter deinem rücken
versteckt die augen
im spiegel sehen mir zu
sauer nach einer nacht
verderbliche ware weg
damit in die tonne das zeug
 liegt dir im magen mir hat’s
 geschmeckt ehrlich ich muss
dann mal bis demnächst.

Tiramisu 2

Es wurde alles gesagt.
Ich bin dann maul raus.
Und mach eine Pause.
Wie’s geht? Mal sehen.
Tiramisu schlecken. Das
süße Zeug vergeht langsam

auf der Zunge. Langsam
schlucken ohne Ver. Gut
so. Mund auf und durch.
Atmen. Bis zum nächsten
Mal. Wohin? Irgendwohin!
Ein Neuer? Hallo! Na also.

Ein starkes Huhn

Ich weiß, Du warst ein starkes Huhn.
Drum konnte ich‘s nicht selber tun.
Ich sah Dich öfter rumspazieren
und dies und jenes ausprobieren.
Beim Futter warst Du wählerisch:
„Nur das Beste auf den Tisch!“
Ein schöner  Wahlspruch bis zuletzt.
Dann kam Dein Schlächter angehetzt.
Ja, auch Dein Bauer kann nicht ruhn.
Er muss das Geld aufs Konto tun.
Um seine Schulden abzutragen.
Sonst geht die Bank ihm an den Kragen.
Und aus ist’s mit dem Biostall.
Wäre das ein Sündenfall?
Das ist der Kreislauf, sieh‘s doch ein!
Dann lass mal Dein Geschreie sein.
Sag uns, was ist Dein letzter Wille?
Willst Du am Ende eine Pille?
Was soll der Konsument nur tun?
Wer kriegt Dein letztes Ei, Du Huhn?
„Der Hahn hat immer Spaß gemacht.
Mit seiner Liebe in der Nacht.
Deshalb soll er mein Ei bekommen.
Es wird dem alten Lustmolch frommen.“
Und eine Pille willst Du nicht?
Du sagst, das sei Dir Ehrenpflicht?

Du warst und bleibst ein starkes Huhn.
Das Ei sei Deinem Hahn gegönnt.
Uns bleibt jetzt weiter nichts zu tun
als unsrem Huhn, jetzt preisgekrönt
das Federkleid schnell aus zu rupfen
die Innereien zu entsorgen
uns einen Kessel auszuborgen
um schließlich gegen unsren Schnupfen
die Hühnersuppe zu genießen.
Auf dass die Körpersäfte sprießen.

Und abermals krähte der Hahn

Triolett
Sie war ihm seine liebste Lust
vor all den andern im Verschlag.
Seit jenen Tagen im August.
Ihm war sie seine liebste Lust.
Er kräht seine Liebe aus voller Brust.
Man tötet sie mit einem Schlag.
Sie war ihm seine liebste Lust.
Vor all den andern im Verschlag.

Mit den Augen

Zu Emil Noldes Bild „Frau T.“ Sonett
Auf der Lauer beide. Wann wird sie springen?
Die Katze im Auge starrt dich an, Maus.
Mit dem zweiten wird sie dich bezwingen.
Der Maler erwartet verdienten Applaus.

Sein Bild schafft die Distanz fürs Weitergehen.
Unerwartet das Harte mit dem weichem Strich.
Das Männliche im Weibe bliebe ungesehen.
So mancher Besucher wird nachdenklich:
Verlebtes Leben? Vorspiegelt sich ihm.
Die Schminke zerlaufen, die Augen umflort.
Ein Bärtchen, verwischt, wirkt eher sublim.
In Wirklichkeit war das Mädchen weit fort.
Der Maler kaute in Ruhe den  Priem
und sprang, die Südsee im Geiste, von Bord.

Die Farbe Rot

Du bist ein unbeschriebenes Blättchen, sag ich dir.
Auf dem finden meine Erinnerungen, Lügen und
Meineide nicht statt. Wenn du im Wasser ersoffen
bist, streich ich dich aus meiner Liste. Wenn es am
Freitag regnet, schaufel ich dir unser Grab.                                                                                       

Frisch gepanschtes Rot unter stumpfer Perücke.
Ein Brett vorm Kopf. Plakativ die billigen Reste
eines Kindertraums gemalt mit feuchter Kreide.
Auch die gesabberten Küsse in der Farbe der
Finsternis. Zertretene Schnecken in Gelb.
Vorschlag mit Gewehr. Aus abgeholzten Wäldern der
Smog von brennenden Brachen. Der Schrei des Vogels
durchdringt den vergessenen Tag. Bleiche Todesengel
krächzen ihr letztes Lied. Die Augen des Torsos.
Mumifiziert in den Körpern. Ewig gefangen.

Aufgemalt im Schein des eisigen Feuers. Atemlos
ohne Zeit und Raum. Kein Leben am Rande des
pechschwarzen Nichts. Erinnerungen mit den
glutheißen Winden verbrannt. Einzig die Farbe Rot:
die Kette sichert Verben in ihrem frischen Verband

Das erste Mal und so weiter

Alles! Wie gehabt? Du sagst es mir!
Irgendwann. Auf den Punkt muss es
nicht sein. Ich nehm dich mit rein. Toll!
Es passt genau. Kein Reim, aber fein.
Ach, lass mich in Ruhe. Was regst du dich auf.
Verdammt. Diese Schuhe. Jetzt geht es hinauf.

Und keinen Sex mit meiner Ex. Auch sie
regt mich auf das rechte Ohr juckt. Ständig.
Es ist eine Qual, wenn ich daran denke.
Sie fände es cool. Der Prozess des Alterns
bringt den Überblick. Lass mal sehen. Ohne
mich. Es gibt zu viele in einem Leben.

Jede Minute, Sekunde und kleiner gegen Null.
Schöne Reise und gute Unterhaltung. Man könnte
auf sie verzichten. Wiederholungen in der Kiste.
Im Ersten das zweite Mal. Im Zweiten das dritte
Mal usw.  Im Kreis gekrümmter Zeit in Ewigkeit.
Herein! Ach du bist es nur. Komm, geh weida!

Aus Sprache

Volksreden im Parlament. Heimat!
Spricht es gerade heraus. Menschen
im Bann. Die Lippen beben. Glut voll.
Sein Traum lebt.
Original Bildbericht: Flüssige Redeweise.
Gute Sprache. Aus! Ohne Stimme.
Jubel, Schreie vergraben. Geheimnisverrat.
Die Glut verglimmt.
Verscharrt irgendwo in Mexiko. Die Bilder?
Von den Wänden! Und in das große Feuer.
Wer? Noch nie gehört. Keine Politik, bitte!
Die Wut ist erloschen.

Sie, die ich liebe

(Brecht, leicht verändert)

hat mir gezeigt,
dass sie mich braucht.
Drum geb ich auf mich acht
und sehe auf meinen Weg
und fürchte von jedem Regentropfen,
dass er mich erschlagen könnte.

förderturm

traum meiner kindheit
du schwarzes klettergerüst
verstaubt und vergessen schien
mir das ding hinter der backsteinmauer
bis sich die räder drehten mit meiner väter
seil in diese bodenlose tiefe dort leben ohne gesicht
ich sah sie nie von der brücke aus für kinder verboten
aber sie erzählten ihre fremden geschichten in denen ich arbeiten
sollte die heilige barbara verschloss sie mir und meiner frühen freunde
sturz in abgründe der mühsal mit den versteinerten lungen auf ewig auf und ab einmal im jahr das seilstück mit dem hämmerchen die weihnachtliche bruchprüfung.
Das war alles. So schien es.
Doch später war ich im Bauch der Fördermaschinen meines Technikvaters und pflegte ihre Wunden. Und ich sah, wie sie kamen und gingen. Harte Arbeit, gutes Geld. Glückauf! Ich weiß nicht, was aus ihnen wurde. Frühverheiratet. Kinder
oder Koks? Als ich nach Jahren zu Besuch nach Hause kam, grüßte mich der alte Förderturm einer inzwischen stillgelegten Zeche. Er hatte noch immer seine tiefe Stimme:
„Ein herzliches Glückauf, alter Kumpel vor den Jahren. Wie geht es Dir? Gut, wie ich sehe. Oder? Mich hat man kürzlich abgewickelt. Ich hätte gerne eine neue Aufgabe, aber das lohne sich nicht, sagen sie. Nun stehe ich hier zwecklos in der Gegend herum. Ich dachte an ein kulturelles Event. Du schreibst, hörte ich. Machen wir eine Lesung. Thema: Abbruch. Du kennst es.“
 Ich stand auf der Zechenbrücke – sie ist inzwischen abgerissen – und grüßte etwas hilflos zurück. Er müsse Geduld haben, sagte ich und verabschiedete mich schnell. Ich hab ihn nicht mehr wieder gesehen. Dass er von meinem Unfall wusste.

angenommen I

angenommen ich sei verrückt  
wär das zu deutlich ausgedrückt?
angenommen ich lebte in frankfurt main  
und wollte mich von berlin befrein
angenommen, ich schriebe nette sachen  
die würden Ihnen doch freude machen                                          
angenommen ich mache ein geständnis  
ich hätte zu wenig main verständnis
angenommen von zu viel heimat kriege ich schiss  
dann wäre eines ganz gewiss
angekommen: ich würde mich  verlaufen  
und jeden abend  komasaufen
angenommen, mein leben lief mir aus dem ruder  
ich würde schnell zum penner bruder
angenommen, ich könnt mich nicht  entfalten  
und eben mal mein bild gestalten
angenommen, was ich erzähle ist verrückt.

Sie hätten’s konkreter ausgedrückt?  
angenommen, das wäre mir  nicht  wichtig
wie heißt  das thema, fragen Sie, richtig?   
angenommenen, bedichten einer großstadt am main
Sie sagen, das könne so schwierig nicht sein  
doch dieses, main machwerk sei kein gedicht.
So ganz langsam wird mir klar, dass dieser trial ein error.war.

So schön

Und das Leben ist so schön
Wenn wir es still im Licht betrachten.
Erklimmen wir die höchsten Höhn
Das Leben bleibt im Leid noch schön
Doch nicht den Tod als Glück zu sehn.
Es liegt an Dir, auf Dich zu achten.
Das Leben ist für immer schön,
wenn wir es still im Licht betrachten.

Ein Mulch

Ein „Echo“ auf Jan Wagners „giersch“- in Bewunderung
nicht zu unterschätzen: ein mulch,
im angebot abgepackt als rindenmulch.
wird nach geheimen Informationen
aus den gehirnen rindenwahnsinniger
schwachköpfe gewonnen.diese werden
mittels sieben vereinzelt, durch die tretmühlen
der bürokratie gepresst und im garten des
 vergessens kleinteilig verstreut. so wird das aus-

keimen des griechischen finanzruins quasi gestoppt.
die kargen reste werden auf wunsch der regierung
in athen vom deutschen sternmull, verwandter des
mulchs, grob aufgenommen und blind entsorgt. 
endgültige entledigung  des neuhellenistischen
desasters im mittel ferner zukunft durch eine
altgesessene schweizer bank  im auftrage der
„murmeltiere hinter den sieben bergen“.

Rapport von der Hauptwache.

Mit geistigem Durchschlag an Robert Gernhardt (gest. 2006)*

Ich finde auch: Sonette sind beschissen.
So eine Form kann dir die stärkste Form versaun.
Doch  immer  mäkeln – nein. Ich werde also müssen.
Auf seinem Platz wird er dann sitzen und mal schaun.
Denn damals schrieb er einen Leckerbissen
Die Narrenkappe auf! Dann drauf gehaun
und mündlich aufs Sonett  geschissen.
Du schriebst es in Vollendung, toter Clown.

Die Lady auf dem gleichen Platz: „Matrone.“
Von altem Adel. Und auch sie nicht ohne.
Sie hat kein Geld und kann somit nicht zahlen.
Sie gibt nach jedem Kaffee eine Kaffee-Bohne.  
Wir sollten ihr die Sammlung bald mal mahlen.
Das sagt der Chef. Verwundert die Matrone.

*Robert Gernhardt
Materialien zu einer Kritikder bekanntesten Gedichtform
italienischen Ursprungs
Sonette find ich sowas von beschissen,
so eng, rigide, irgendwie nicht gut;
es macht mich ehrlich richtig krank zu wissen,
daß wer Sonette schreibt. Daß wer den Mut
hat, heute noch so’n dumpfen Scheiß zu bauen;
allein der Fakt, daß so ein Typ das tut,
kann mir in echt den ganzen Tag versauen.
Ich hab da eine Sperre. Und die Wut
darüber, daß so’n abgefuckter Kacker
mich mittels seiner Wichserein blockiert,
schafft in mir Aggressionen auf den Macker.
Ich tick nicht, was das Arschloch motiviert.
Ich tick es echt nicht. Und wills echt nicht wissen:
Ich find Sonette unheimlich beschissen.

Berichterstattung des lyrischen Ichs zum Thema „alles und/oder nichts; wenig und/oder viel“.

Das Wort hatte der Abgeordnete Schrickmüller

Undank! Gestatten Sie, dass ich kleinrede. danke. was zu viel ist, ist zu viel,  
herren der nichtregierung. mit ihrem alles oder nichts ihrer vielsprechenden -
und das sage ich mit allem nachdruck (gestern frisch vom verlag am rande) – alles negierenden, ins nichts führenden
politik. gegen alles das, was wir aus dem nichts alles in allem aufgebaut haben,
das nennen wir, insgesamt zusammengefasst: viel lärm um nichts. sie haben
auf allen feldern überaus deutlich ihre ziele vollständig verfehlt. stets haben
wir in diesem hohen hause unsere prinzipien dargelegt, aber sie  verstehen
sie nicht, wollen es nicht hören oder können nichts. ich wiederhole sie hier
und heute. denn man kann sie nicht zu oft genug wiederholen. schluss!
endlich hängt davon unsere existenz ab. mir wird schlecht.
pardon, herr präsident,
präsident: saaldiener! nicht schon wieder, abg. schrick. verwarnung!
müller.
präsident: gott ja, müller-wohlfarth. meinetwegen.
niemand hört mir zu, herr präsident.
na also: geht doch! ich fahre fort.
Müller-Planckenberg „Wohin?“
bin gleich unfertig dann komm ich und hol dich.
präsident: verwarnung, komm zum schluss, alter mulch.
danke, lieber herr präsident. also, mal sehen. Aha, soso. start los.

viel ist selten alles .wie alles viel ist, wenn viel alles ist.
alles nicht zu haben ist viel, aber viel sein ist alles. im
nichts bleibt davon wenig. nichts ist häufig zu wenig. was  
zu viel wird gegen alles – von niemandem als  von allen,
denen zu viel alles ist und allen, die von allem viel wollen –  
wird also zum vielfachen. mir geht es nicht gut, herr präsident. undank, ihr nichtswürdigen vielen im hohen haus. aus.

präsident: verwarnung und hausverbot. was ist nur los mit ihnen, herr abgeordneter, also in zwei wochen. hör auf deine nette frau und lass die flausen. die sitzung ist beendet. schönen urlaub. denkt an die sondersitzung. es geht um viel, wenn nicht um alles.
Der Präsident murmelt sehr leise vor sich hin – direkt in das noch eingeschaltetete Mikrofon, das mit den Sendeanstalten verbunden ist:
„Dieser Sauhaufen. Hoffentlich vergessen sie es. Sie verstehen ja doch nichts. Woher haben sie den Schrickmüller nur abgeordnet? Eine Nummer für sich. Mein Job ist doch interessanter als ich dachte. Kommt alles in mein Buch. Ich lass nichts aus. Versprochen. Habt Ihr gehört? Alles!

Shalom

Duzen wir uns, sagte ich, als wir uns erkannten. Das „Sie“ hielte auf Abstand, sei zu förmlich, flüsterte ich.
Die Franzosen siezten sich verheiratet bis in den Tod,
hauchten Sie. Wissen Sie noch?
Heute sei Mann sich so furcht ehrlich nahe. Kein Respekt. Mit Skype in die Betten der anderen Seite. Und alles in you,
in Deutschland auf du. Auch Du? Ach komm! Shalom!

du da.

Erste Person (1): ich und du; zweite Person (2) du und ich.

1 du da. dich mein ich. ja, da, dich! du bist gemeint. wir kennen uns nicht, sagst du? wir kennen uns nur zu gut. du willst nicht mit mir reden?   du gehst deinen eigenen weg, sagst du? niemandem seist du etwas schuldig. du kämest so, wie es dir gerade einfiele. hört ihr? hört gut zu! wann, zu wem und wieso – zu fall.   
2 da kann man lange suchen,

1 sagt er da endlich und grinst breit. ich möchte es verstehen.

2 da mit kann ich nicht dienen. meist ertönt ein signal von da oben. da nach immer  das gleiche lied:

1 er gehe los und pfiff sich eins. manchmal geriete er auf und ab wege, die niemand kenne. das sei spannend. nie mand wisse, was da passiere. sie auch nicht? frage ich ihn. du bist der spezialist und da solltest du alles planen.

2 die mutter regiert von backstage her.

1 wer ist das denn?

2 niemand kennt sie, hat sie je gesehen. keiner erfährt, was sie vorhat. sie weiß es selbst nicht. irre, oder? umso spannender ist das dann.  echt großes kino. mit immer neuen events, du kennst die kaliber, mein lieber.

1 ich bin nicht dein lieber, mein lieber. das sagst du im fieber. mach dich  vom acker mit deinem gegacker. reimen könne auch er, sagt er. ich sage: du mehr!

2 siehst du da im spiegel, da, diesen alten igel? die harre starr,  sie steigen auf zug berge. du bist ist so krumm wie sieben zwerge. acht, diesen igel siehst du nicht? wen siehst du denn, du starrer wicht? siehst du dich nicht? ins bild gesetzt durch ein gerücht: ich bin in dir, du tobst mit mir. vielen dank, du bist senil. wir spielen hops im jugendstil.
1 schon nahte die mutter auf grünen sohlen, ihn und mich zurück zu holen.

haiküsse

ich möchte auf
sitzen in den sätteln.
zu vielen auch

die sonne strahlt
in meine arme.
und beben mächtig.
mein mienenspiel
im mittelfeld schwarz
abgepfiffen.
wie geht es deiner ex?
die antwort ist komplex:
ich gier nach ihrem sex.

Ein Männlein steht im
Wald ganz still. Und stumm
brachte es das Kindlein um.

Auto Suggestion

Park ihn, Sohn, und stell ihn ab,
dass ich nicht wieder Ärger hab!
Bitte keine Liaison, die mein Leben
so bestimmt, dass es eine Auszeit nimmt.
Ich würde sicher abgedichtet, mein kurzes
Künstlersein vernichtet. Dann das Getuschel:
Hirn koppheister. Unbestimmt verreist er.
Nein, mein Sohn, du schreibst was auf.
Frisch kopiert: mein Lebenslauf.
Von der Wende bis zum Schluss.
Danach kommt, was kommen muss.
Und eine Bitte hätt ich noch
(wäre das jetzt  schon die dritte?):
Ich koch so gerne dicke Suppen!
Für meine beiden Dichtergruppen.
Noch einmal sollen sie noch schlemmen
und meinen Frust mit ihrem hemmen.
Auf sowas fahr ich ab, mein Sohn
Danach lauf ich den Marathon.
Das spottet meinem Alter Hohn.
Es -  reicht! – mir mal ein Mikrofon

mein ungeliebter  Hurensohn.
Der stammt von meiner ersten Frau.
Ich weiß es nicht mehr so genau.
Ich denk, ich war nicht sehr beteiligt
und ihr der Zweck die Mittel heiligt.
Mein Mikrofon macht „tutut, tutut!“
Ich hör es nicht mehr ganz so gut.

Halbes Gedicht

Gerade angekommen, noch ein bisschen benommen
bin wieder  in Frankfurt zu Haus und mach mir nichts draus. Ich fühl mich ganz wohl – obwohl: der Urlaub war gut die Übung macht Mut. Im Zen liegt die Kraft, ich  hab
es gerafft. Und dann diese Tannen im schwarzen Wald. Sie stehen aufrecht schon hundert Jahre. Sie sehen uns da sein in Wiege und Bahre. Innen schon hohl und außen ganz kalt. So werden im Schwarzwald  nicht Wenige alt.

Durch Frankfurt fließt Main, der später durch Reben.
So wird dem Riesling die Kraft gegeben. Meine Zeit ist zu Ende. Das Gedicht ist es nicht. Ihr könntet hier warten aufs  Jüngste Gerücht.  Doch lohnte sich das? Ich glaube es nicht. Drum mach für heute die Schotten dicht. Beim nächsten Mal schreib ich wieder ein ganzes Gedicht.

Gedichte 2016

In der Wüste

Hey Du!
Sagst Du? Wozu?
Wozu? Fragst Du?
Ein Interview!
Wozu?
Lass mich in Ruh, Du!
Was sagen Sie dazu?
Wozu?
Nu!
Minimal IQ!
Hirnragout.
Blöde Kuh!
Buh!
Muh!
Und raus bist Du.

Ich hab die Schnauze voll!
Das macht der Alkohol.
Hör auf mit dem Gejohl.
Du warst mal mein Idol.
Und Du mein Sexsymbol.
Sei bitte nicht frivol.
Jetzt find ich Dich so hohl.
Jawohl!
Gib mir mal die Pistol!
Nanu!
Sagst Du?
Nun Du.
Dann Du.
Mach zu!
Dann haben unsre Seelen Ruh.
Ich schieß nu Deine Augen zu.
Nur zu!

Am Geistpförtchen

Verschlossene Pforte im
Irgendwo. Die Adresse?
Welche Sprache sprechen sie
Beim Herbstspaziergang?

In unbekannten Gassen kreuzen
Unsere Wege ins Quartier.
Trautes Heim im Hochhaus.
Wo sind wir? Im Hospiz kalt
Ausgesetzt. Die Ärzte und
Schwestern tun auch nur ihre
Verdammte Pflicht. Vergessene
Lebensläufe. Zahlen! Und gehen
Weiter im Gespann. Sie klopfen
An unseren Türen und warten.
Sie bleiben verschlossen. Ein
Zugang zu ihrem Reich. Schon
Wieder? Der Regen und die
Fremden . Ich erkannte sie nie!
Das Laub ist schon länger grau.
Vergessen? Das kann so stehen.

Westend(e)

mühsam zog er die schicke outdoorjacke
an. dekoriert mit  dem besonderen etikett dekoriert.
sie ist zu klein shakespeare 66 im outdoor:
art made tongue–tied by authority

die zwerge aus dem off sehn zu ihm auf
er ist einer von uns das hat er nun davon
premiere würde mit sicherheit ein erfolg
so war es immer und schickt sie nach hause
die zwerge gehen in den frankfurter stadtwald
schneewittchen wartet schon auf der frischen Rodung  
die fraportkunst treibt blüten                                 
und gibt kein spas wo lachen, is blos show, alt kanake.

danke, danke schlägt die pranke in die fresse pass  
auf ich esse sagt die jacke hört auf mit dem
gehacke. sonst gibt’s was von der jacke, bleibt mir
vom leibe mit dem frust ich geh mal vor in meine
stellung und widmet sich der leibeslust zwei rechts
zwei links. jaja, ich weiß. in frankfurt stinks.

Belohnung

Für eine Nacht? Wie war die Fahrt?
Das Bahnhofsviertel  Full Speed Ahead.
Die Alte kennst du? Irre Ausgeflippt. Die
schwarzen Haare, lang. Wo ist dein Baby?
Haste mal lacht. Zahnlose Lücken.
Der Bahnhof schreibt TrauerGeschichten.

Gutleutstraße  Richtung Westen. Nach der
Post rechts bis zur letzten Brücke. Links
zur Kläranlage. „Gute Leute“. Nett. Am Main.
Dort, sagen sie. Am Ende. Der Weg ins Grüne.
Nähe  Orange Beach. In einer Biotonne bei den
Kleingärtnern. Fahndungsfoto 2011. Kein Neues?
Ermordet mit 58. Lange schwarze Haare. Viele
Zahnlücken. Obdachlos. Die von gestern?
Ganz schön viel, 3000. Wo ist das Baby, hin?

frankfurter  herbstlied 2015

die herbstzeit findet mancher schön
das spiel der farben, walken gehn
mich kann die herbstzeit nicht so reizen
die leute fangen an zu heizen
das stete tropfen auf den dächern
die dunkle zeit in den gemächern
der wind treibt blätter vor sich her.
ein jäger schießt mit dem gewehr
die erde saugt das wasser auf
sich kühl reserven anzulegen
der stadtmensch findet seinen lauf
und kauft geschenke, auch im regen.

so unterhaltsam ist es eben
im  herbst in dieser stadt  zu leben
die trauerpflichten  nicht  vergessen!
und martinsgans kann ich nicht essen
der herbst in frankfurt ist nicht schön
im winter fahr ich in die rhön
da kann ich meinen stand erhöhn
gemütlich wieder runter fahren.

und rauf und runter immer wieder
das ist gesund für meine glieder.
ich werde langsam mit den jahren
mehr  ruhe sollte ich bewahren.
ob es nun herbst ist oder winter
für mich kommt nicht mehr viel dahinter.

um auf den herbst zurück zu kommen:
„bis nächstes jahr, du bist willkommen!“

Haiku

Ein Herbstlied im Winter
wärmt Rotes und Weißes
erfriert sein Blut

Gicht

Damen und Herren. Meine Freunde.
Zum Abschluss nun ein Lied zur Nacht,
welches ich Euch mitgebracht.
„Oh, welche Nacht, so voller Herrlichkeit und Pracht.“

Oh Gott! Das Folgende hab ich vergessen.
Das passiert mir  nur in Hessen.
Ich bin, der Dichter, angefressen.
Ach, wie ich mein Gedächtnis hasse.
Doch denket nicht, dass ich jetzt passe.
Die Phantasie kann uns behelfen.
Es handelte, glaub ich, von Elfen,
die in der Nacht geflogen kommen,
und Zwerge spielten mit und Riesen.
Nicht zu vergessen die fiesen Frommen.
Klischees, wie üblich, Ihr könnt es Euch denken
und solltet nicht länger die Hirne verrenken.

Es fehlt der Titel? Ich will ihn Euch geben.
Denn ohne Titel kann man nicht leben.
Also - her mit dem Titel, schöne Souffleuse.
Denn ohne wär ich ihr wirklich böse.
Sie liege noch, flüsterts, in meinem  Bett?  
Das, in der Tat, ist nicht sehr nett.
Beim nächsten Mal begleiten mich die Riesen.
Dann wird sie von uns und der Bühne verwiesen.
Es lebe die kunstvolle Sittlichkeit.
Zum Teufel mit ihrer Begehrlichkeit.

Den Titel reiche ich dann nach.
Zu finden in meinem Almdanach.
Der macht geschenkt so 19 achzig.
Aha, so, so, der Dichter macht sich
Es bringt was ein, so ein Gedicht.
Und außerdem, ich hab die Gicht.
Mit mir steht sie im Rampenlicht.

Tagundnachtgleiche

sie dämmen nass dahin.bis einer bricht.
in hamburg ward geflutet. lange geht das
nicht mehr gut. doch die säcke liegen b(e)reit.
in  bayreuth geht die ex post ab, anfrage
wagner: wann erlischt das licht der götter?
wegen der premiere. alle sind geladen.
im saal flammen die zeuglichter auf.
die kraftwerke, ausgeschaltet, wie sie sind,
ein prost auf alle, die schon im dunkeln sitzen.
wir hingegen tasten uns im ergrautem raum
blind voran und verschwinden sorgenfrei:  
halbschattig grünplätzchen gedämmtes
senioren heim (ins reich) mit einschlafsuite.
des nachts im dämmerlicht schafe hüten - gleich!
geschaltet (alles wird gut) und zum mondscheintarif
abkassiert. das zählt!

das rauschen der schlaf-television implodiert endlich
in einem punkt. und verdämmert die welt. autonome
schein werfer scannen sie erhellend ab. verlust
des übergangs: Tagundnachtgleiche. der mensch

Cabo Verde

Teil der Erde
Biste da
Afrika
Atlantik Du
well in Ruh
so ein Meer
Schnorchel her
Isste Fisch
auf kreolisch
und es geht
isst diät
Weißer Sand
an dem Strand
viele Sprachen
freundlich lachen
Freunde da
alles klar
Gut erholt
sich gelohnt
ist vollbracht
Gute Nacht

Zu:borgI

bitte bork mir d en käfer lucrezi cum a mit!
ich borg ihn dir ward bis morgen heut brauch ihn
my family. geh zu björn  kennst nicht den all star
vom roten platz, heut fristet er koks auf weißer weste,
träumt vom ball aus dem all beim french open. nimm
einfach den schlüssel:
und die assimilation schritt vorzum hai fischbecken hollywoods, tauchte ein in die kybernetisch gestützte
welt geborgter macht. grüße ingeborg

II

borgt mir borgs bork(en)
käfer to assimilate the borgs
planet and borgia’s showtime

nähe zeil

petersfriedhof eingemauert im gras  
labyrinth ohne wiederkehr der mutter
weisheit die unschuld des kindes stellt
fragen wo ist das licht? kniet nieder

unten ist ewig im dunkel erhebet euch:
die strahlen des heilers verblenden eure
schwache augen schwarze stille auf dem
endlosweg im grünen kreis. buen camino!
Mahl Zeit!

In Frankfurt/Main

So viel Zeit muss auch Mahl sein.
Nach den Gängen folgt das Dreschen.
Langsam, nicht nach vorne preschen;
Noch warten wir aufs Bäuerlein.
In Frankfurt Main isst Mann gehetzt.
Manch einer putscht mit Kokain.
Erfolg reich Wirt! Mann beigesetzt.
Nur unser Fluss fließt kühl dahin.
Wir aber packens slowsam an:
Die Saat wird gründlich aufgeschichtet,
Gemahlen und zu Teig  verdichtet.
Beim Kneten ist jeder Steuermann.
Ist Langsamkeit gesünder als die Hetze?
Wenn was herauskommt, würd ich sagen: Ja!
Fürs kontroverse Backen gelten nicht Gesetze.
So tragen wir das Backwerk auf: Ex Cathedra.

Frankfurt ist wie ein Gedicht

frankfurt ist wie ein Gedicht
doch manchmal mag ich es gar
nicht weil es zu sehr nach groß
stadt riecht und dann der main
mit seinem moder ich zieh bald
um nach frankfurt - oder?  

abgezählt

frankfurt ist mir einerlei
für mich folgt daraus zweierlei
erstens sag ich nicht: bye, bye!
zwotens sauf ich extra dry
dichte weiter blödelei
rasch schlägt uns(d)er vorhang zu
und wir spielen blinde kuh
melken unser gutes tier
und schon sind wir bei der vier
grade lassen wir die fünf
dass niemand sich die nase rümpf
haste mal ein taschentuch?
vom sex hab ich noch nicht genug
wo geht denn hier die kaiserstrasse?
ich finde dich! ach du mein hase
bis sieben haben wir zu tun
der stunden acht danach zu ruhn
das frühstück kommt um neun ans bett
ihr kleines schürtzchen ist ganz nett
und hoch die zehn! jetzt wird mir klar
dass frankfurt doch so schlecht, nicht wahr?

Unvergessen

Du deutscher Staat! Klingt nicht die Ehre des Frankfurter Anwalts in Deinen Ohren, die Rede des Präsidenten zum Tage Deiner Befreiung? Aufgenommen in den Kulturkreis Der Anderen im Westen. Der Kniefall des Kanzlers im
Osten. Ein steiniger Pfad aus dem Bach.

Du wurdest reich beschenkt. Wiedervereint und mächtig wie Nie. Nachdenklich die Warnung, das historische Fundament Zu schützen und  lebendig zu halten. Zu leise? Viele Deiner Bürger spielen Monopoly, hoffen auf  ihren individuellen Erfolg und sehen in die Ferne.                 
So werden die Reichen reicher und Deine Mitte blutet aus. Beginnt zu kochen. Vergessen sich und die auf dem nassen Stroh warten. Damals der eisige Tau am Morgen vergangen.
Erwachsen zur Menschlichkeit. Hobbes zweifelt noch heute. Deine Bürger suchen ihren Weg.

Fluchten

Träume entflogen vor unserer Zeit
Über das Meer der treibenden Körper
Bin ich mit dir in dir vergeblich ringen
Vergessene Zukunft in Vergangenheit
Alles muss raus rein wir Herrschaften das
Oder? Mit dem hohen Diener vom roten
Bosporus entflogen die Hoffnung wohin
Reisen wir verboten alles flieht in der
Luft das Volk frisch verwelkter Nischen
Alter Fluchten Dichter solltest du
Könntest du, müsstest du, willst du sie
Erhellen? Schön gesagt. Bald zerronnen.

Wir

Wer bitte ist Das Volk? Ich, du , er, sie, es, ihr, sie?
Wir? Gestern, heute, morgen, damals, in Zukunft?
Einmal vor und schnell zurück. Wende hoch zwei.
Immer im Kreis. Der Kopf dreht sich. Schwipp
Schwapp Schwindel. Wir kriegen neue Kindel.
Und sind sie einmal da, dann ruft es: Inschallah!,
Doch Andre schreien: Kein Etat!
Denn dieses Volk hat zwei Gesichter: Sein Gelichter
Und die Dichter. So werden wir es schaffen. Schnell
Unser Zeug zusammenraffen. Um dann die Flucht
Zurück zu schaffen. Doch ja, wir sind ein feines Volk.
Nach allen Seiten offen. Wir hören uns die Klagen
An, mitleiden uns besoffen. Versprechen, Wann?
Bald! Frieden ist. Wir werden eine Kreuzfahrt
buchen und sie im Mittelmeer besuchen.

Den Dichtern – Günters Worte

Heute scheint die grausame Sonne
Vom Himmel herab. Und morgen?
Für David Bowie hat sie die Farbe
in das Unendliche Schwarze gedehnt
und ihn in die Träume geschickt, die
der Rauch uns vormacht: in das Nichts.
Das kranke Leben lässt uns keine Wahl,
als den Worten von Hafis zu vertrauen:
„Meisterschaft und Ruhm der Sprache
sind von Gottes Gnaden.“ Alles, was wir
schreiben, spricht eine seltsame Sprache.
Geht in Euch! Sagt es den Engeln der
Nacht - sie schenken Euch den Morgen.

Unser täglich Brot

Zu spät aufgestanden. Katzenwäsche. Verdammt kalt.
Kein Papier! Schatz, gibst du mir bitte eine frische Rolle?
Keine da, sagst Du? Verdammt, hab ich vergessen.
Dann bitte ein Stück von der Zeitung – wie früher.
Auch Wenn’s weh tut.

Danke. Anschlag in Pakistan. Die kommen immer näher.
Wieder weniger Flüchtlinge. Sie stocken, die Türken. Oder
Die Griechen. Alles nur Show? Und die nächste Killer-Bombe,
Für die mit der Freifahrt zu den Jungfrauen – Wann? Wo?
Es wird einfach - immer komplizierter.
 
Unser Innenminister – D‘soundso - hat alles im Griff. Oder
Tut er nur so? Er trägt diese schmalen Lippen entschlossen.
Angst. Sie reden, verhandeln, beschließen. Angst? Kann Sein.
Und sie fahren und fahren: dahin und dorthin.
Wie wir alle. Vorausgesetzt, die Deutsche Bahn lässt uns.
 
Lass uns doch! Nach Berlin, in den Stau, Kino, Theater.
Die Presse macht die Angst. Aber alle gehen hin.
Denk mal nach. Das Leben ist ein Risiko, aber es lebt sich.
Nicht leicht, aber ich ziehe ab - verstopft.
Schöne Metapher. Denkt mal nach.
 
Schatz. Holst Du mir die verdammte Pumpe, bitte?!
„Lass mich gefälligst schlafen!“ Sie hat es nötig.
Ist berufstätig und ich bin Rentner. Ich geh‘ dann mal
Zu Aldi. Wenn alle da sind. Große Packung Papier,
Vierlagig. Man gönnt sich ja sonst nichts.

Wann drucken sie die Neuigkeiten direkt auf die Rolle?
Wär mal was Neues. Ich sitz bereit mit meiner Brille.